VORSICHT: KARRIEREFALLE!

Anabel Schroeder

Lesen Sie diesen Artikel! Dann machen Sie wirklich Karriere!

Ok, Moment, zuerst noch eine kurze Frage: Würden Sie diesen Beitrag auch lesen, wenn ich so angefangen hätte: „Entschuldigung, ich will Sie ja nicht stören, aber es wäre schön, wenn Sie diesen Text lesen würden!“ Vermutlich nicht.

Sich zu entschuldigen, ist ja grundsätzlich in Ordnung. Aber trotzdem ist die Karrierefalle Nummer eins: die Entschuldigung!

Wenn Sie Mitgefühl zeigen wollen, sagen Sie nicht: „Oh, das tut mir leid!“ Das kann, vor allem von Männern, als tatsächliches Schuldeingeständnis verstanden werden, obwohl Sie es nur nett meinen. Wenn Sie beispielsweise sagen: „Es tut mir leid, dass Sie Ihren Flug verpasst haben“, wird das von einem Mann oft so aufgefasst, dass Sie mitschuldig an dem Malheur sind.

„Entschuldigung, wenn ich störe“ fassen außerdem die wenigsten als höfliche Floskel auf, sondern Sie machen damit die Störung nur deutlicher und bewirken das genaue Gegenteil … nämlich, dass der andere sich tatsächlich gestört fühlt.

Deshalb: Entschuldigen Sie sich nur, wenn Sie tatsächlich etwas verbockt haben. Sonst machen Sie sich für Dinge verantwortlich, die gar nicht Ihre Schuld sind – und das ist nicht gerade karriereförderlich.

„Ich fände es toll, wenn Sie nun weiterlesen würden!“

Karrierefalle Nummer zwei: Der Konjunktiv.

„Ich würde gerne auch was sagen.“ Wenn Sie sich im Meeting so verhalten, werden Sie erst recht nicht zu Wort kommen. Und wer sagt: „Ich glaube, man könnte da noch ein bisschen Umsatz steigern“ wird bestimmt nicht ernst genommen.

Ja, 
„hätte“, „könnte“, „wollte“ sind typische „Kleinmachworte“, mit denen Sie sich selbst unbedeutend machen. Dabei wollen Sie vielleicht nur höflich und zurückhaltend sein. Aber genau diese Zurückhaltung wird dann ausgenutzt oder als Schwäche interpretiert.

Wer etwas durchsetzen will, nutzt nämlich aktive Worte: „Ich schlage vor, wir expandieren nach Wien“ statt „Ich fände es gut, wenn wir nach Wien expandieren würden“. „Ich möchte eine Gehaltserhöhung“ und nicht „Es wäre schön, wenn ich eine Gehaltserhöhung bekäme“ oder „Ich würde gerne mehr verdienen“.

Den Konjunktiv (würde, sollte) dürfen Sie natürlich gerne nutzen, aber nur, wenn Sie gerade sehr diplomatisch sein wollen oder tatsächlich über Wahrscheinlichkeiten reden. Aber wenn Sie ständig den Konjunktiv nutzen, wird Ihnen bald nachgesagt, Sie hätten kein Rückgrat oder kein Durchsetzungsvermögen. Kurz: Wer eine Meinung hat, steht dazu und verpackt sie nicht in Höflichkeitsfloskeln.

„Eigentlich sollte der Text hier schon zu Ende sein …“

Karrierefalle Nummer drei: Füllwörter.

„Eigentlich“, „ich glaube“ oder „im Prinzip“ sind „Weichmacher-Worte“ und reduzieren die Kraft Ihrer Aussage. Ihre Zuhörer bekommen so den Eindruck, dass Sie um den heißen Brei herumreden.

„Eigentlich habe ich keine Zeit“ impliziert immer ein „Aber“. „Im Prinzip finde ich die Idee gut“ impliziert, dass Sie da noch Bedenken haben, ohne diese direkt anzusprechen. Und „Ich glaube, wir sollten Kosten sparen“, wird sowieso nicht ernst genommen.

Wenn Sie Ihrer Idee mehr Kraft geben wollen, müssen Sie hier kurze Sätze mit aktiven Verben und ohne überflüssigen Schnickschnack formulieren:
„Ich habe keine Zeit.“
„Wir müssen Kosten sparen.“
„Ich habe da noch Einwände.“

„Entschuldigung, dass der Text so lang geworden ist. Ich wollte mich nur noch bei Ihnen als Leser bedanken!“

Mein Tipp: Achten Sie auf Ihre Wortwahl – und probieren Sie doch mal aus, ob Sie mit einer aktiveren, kürzeren und deutlicheren Form nicht mehr bewirken. Eigentlich.
Viel Erfolg
Ihre Anabel Schröder

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