ZWEI WEGE, WIE SIE EINE MODERATION TOTAL VERGURKEN

Es gibt zwei Grundsätze, die Sie unter keinen Umständen befolgen sollten, wenn Sie eine Moderation so richtig schön an die Wand fahren möchten.

Der erste Grundsatz lautet: „Bleibe neutral und behandele alle gleich“. Wenn Sie den ignorieren, schaffen Sie es, dass der Widerstand in der Gruppe schnell steigt. Sie können damit sogar eine kleine Revolte provozieren und am Ende alle gegen sich haben! Wie aufregend!

Wenn Sie zum Beispiel Teilnehmer Meyer mögen, einfach weil er Ihnen sympathischer ist oder besser mitarbeitet, und Sie finden Teilnehmer Schumann doof, weil er dämliche Beiträge abgibt, dann sollten Sie die ganze Gruppe spüren lassen, dass Sie den einen bevorzugen (am besten hervorheben und ganz doll loben) und den anderen ablehnen (und ihm das auch mehrfach durch abfällige Bemerkungen klar machen).

Alle, bis auf Meyer, fühlen sich von Ihnen weniger geliebt und fangen an, trotzig zu reagieren, Sie abzulehnen, sich zurückzuziehen, Killersätze reinzuschmeißen oder Ihre Methoden zu boykottieren. Die Teilnehmer rotten sich schlussendlich zusammen und verbünden sich gegen den neuen Feind: Sie!

Anderes Beispiel: Sie loben alle, haben aber ein oder zwei Person ein klein bisschen weniger gelobt als alle anderen. Bei sensiblen Teilnehmern kann das dazu führen, dass die, die weniger gelobt wurden, sich unfair behandelt fühlen.

Der zweite Grundsatz lautet: „Arbeite nie mehr als deine Teilnehmer“. Wenn Sie das ignorieren und stattdessen richtig schön hart arbeiten, dann lehnen sich Ihre Teilnehmer zurück und freuen sich, dass sie weniger tun müssen als Sie. Die Teilnehmer werden lethargisch, aufmüpfig oder spielen auf ihren @iPhones herum. Das erreichen Sie ganz easy, wenn Sie zum Beispiel als Workshopleiter ein Brainstorming durchführen und nach kreativen Ideen fragen – und diese Ideen dann selbst auf die Pinnwandkarten schreiben, selbst an die Pinnwand pinnen und dann noch selbst clustern.

„Herrlich!“, denken sich die Teilnehmer, „ich muss hier nix tun und kann vor mich hin dösen“.

Ok, ich weiß ja, dass Sie gar nicht vorhaben, der schlechte Workshopleiter zu werden, sondern wohl eher der beste. Darum hier meine Tipps: Loben Sie gar nicht erst (es ist nämlich unmöglich, alle zu 100% identisch zu loben). Sagen Sie immer nur „Dankeschön“ bei einem Beitrag statt „Sehr gut“. Als Moderator steht es Ihnen ja auch gar nicht zu, zu loben. Schließlich sollen Sie den Prozess nur leiten und nicht den Teilnehmern übers Köpfchen streicheln und ihnen sagen, ob die Ergebnisse in Ihren Augen toll sind oder nicht. Das müssen die schon selbst entscheiden!

Und delegieren Sie so viel wie möglich an Ihre Teilnehmer, dann bleiben diese aktiv und wach und fühlen sich vor allem in den Prozess eingebunden. Und das ist auch gut so. Sonst kommen die noch auf dumme Gedanken!

Haben Sie noch weitere Ideen, welche Fehler ein Workshopleiter unbedingt vermeiden sollte?

Viel Erfolg bei Ihrem nächsten Workshop wünscht
Anabel Schröder

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