Sprechen Sie Veroufakisch?

Anabel Schroeder

Ich habe einen griechischen Kollegen. Im Umgang mit ihm merke ich regelmäßig, dass die griechische Art sich gewaltig von der deutschen Art unterscheidet.

Alexandros kommt immer zu spät. Für ihn ist das auch nicht schlimm, für mich als Moderatorin ein Zeichen geringer Wertschätzung mir gegenüber. Ich nehme das persönlich. Aber er kann nicht anders. Wir haben das ausprobiert: Selbst wenn er sich noch so beeilt … er verspätet sich immer mindestens um fünf Minuten.

Alexandros arbeitet Dinge parallel ab und es herrscht – freundlich ausgedrückt – Vielfältigkeit auf seinem Schreibtisch. Während ich versuche, effizient eins nach dem anderen abzuarbeiten, sieht seine Arbeitsweise für mich chaotisch und unstrukturiert aus.

Wenn wir sprechen, möchte ich gerne meinen Gedanken an- und meinen Satz zu Ende bringen. Er unterbricht mich. Auch das finde ich unhöflich. In seiner Welt bedeutet das Unterbrechen aber „Deine Ideen begeistern mich, da will ich doch gleich etwas dazu sagen.“

Er wird schnell emotional und droht mit Arbeitsniederlegung. Sich aufzuregen und sich wild zu beschweren, ist Teil seiner Kultur. Dabei will ich doch nur, dass wir harmonisch und ruhig miteinander reden.

„Du musst mal dies machen.“ oder „Du musst mal jenes ausprobieren.“ Auf solche Sätze reagiert Alexandras allergisch. Er will nicht gezwungen werden, er will nicht „müssen“, er möchte selbst entscheiden und Dinge auf freiwilliger Basis erledigen. Ich hingegen will doch nur klare Anweisungen geben. Die findet er wiederrum „hart“ und „anmaßend“.

Im Meeting möchte ich am liebsten gleich unsere Agenda-Punkte abarbeiten – schließlich ist Zeit Geld. Er erzählt aber erst noch von seinem neugeborenen Sohn und holt sich dann noch einen Kaffee, bevor es mit der Arbeit losgeht. Er stellt damit meine Geduld gewaltig auf die Probe – und ich gehe ihm mit meinem Fleiß, Termindruck und Strukturiertheit auf die Nerven.

Und zu guter letzt: Das Enddatum eines Projektes ist für ihn noch lange nicht das Enddatum des Projektes. Er weiß, dass da meist noch ein Puffer irgendwo eingebaut wurde – und er hat damit meistens recht! Während ich angestrengt und verkniffen versuche, Termine einzuhalten, wirkt er wesentlich entspannter als ich. Da könnte ich mir wohl noch etwas abschauen.

Trotz all der Unterschiede, sind wir aber beide humorvoll und lachen gemeinsam über unsere Eigenheiten.

Es zeigt mir aber, dass es allein aus interkultureller Sicht schwierig ist, gemeinsam auf einen grünen Zweig zu kommen – jetzt ja auch wieder gesehen in der Griechenland-Krise.

Konnten Yanis Varoufakis und Angela Merkel wegen der kulturellen Unterschiede nicht miteinander? Und wie wird es jetzt wohl mit seinem Nachfolger? Was meinen Sie?

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