Sind Sie ein Business-Tiger?

Handtuch auf den Liegestuhl legen, Platz sichern. Ellbogen im Flugzeug oder in der Bahn zuerst auf die Armlehne legen. Diese Art des Revierverhaltens oder der Territorialeroberung kennen Sie vom Strandurlaub.

Menschen hatten schon immer Revierdenken. Es stammt aus unserer Höhlenmenschzeit. Auch Tiere verteidigen ihr Revier und machen klar, wo dieses anfängt und wo es aufhört; Tiger pinkeln ihr Revier ab und fauchen lautstark, Rehböcke reiben ihre Duftdrüsen an Bäumen und kämpfen, um ihr Territorium zu verteidigen.

Auch im Betrieb gibt es das tagtäglich, nur nicht ganz so offensichtlich. Kein Manager pinkelt sein Büro ab oder reibt seine Duftdrüsen am Türrahmen. Aber fast!

Woran Sie ein dominantes Revierverhalten Ihres Chefs erkennen:

> Der Kontrollgang durchs Revier: Dominante Chefs gehen gerne durch die Büros oder Ladengeschäfte, nicht so sehr um alle Mitarbeiter zu begrüßen, sondern um zu kontrollieren, ob in seinem Territorium alles ordentlich und nach Arbeit aussieht. Mitarbeiter reagieren darauf mit einem ganz typischen Verhalten: Sie zeigen, dass sie enorm beschäftigt sind (Papiere ausbreiten, in Hektik verfallen, Pseudotelefonate führen).

> Klar machen, wem das Revier gehört: Der dominante Chef bellt Mitarbeitern Befehle oder Anweisungen zu – und zwar lautstark. Er lacht auch lauter als andere. Er scheucht die Sekretärin, bringt den Projektleiter mit unangenehmen Fragen ins Schwitzen oder mäkelt ganz generell an der Arbeitsweise seiner Mitarbeiter herum. Damit zeigt er, wer Herr im Haus respektive das Alphatier im Gehege ist.

> Grenzen des Reviers verteidigen: Der Chef sagt ganz klar, welche seiner Grenzen gerade überschritten wurden: Er weist den frechen Auszubildende in die Schranken oder spricht den Teamleiter direkt an, wenn ihm dessen Verhalten nicht gefällt. Auch sagt er ganz klar „Wenn die Türe zu ist, dann will ich nicht gestört werden!“ was so viel bedeutet wie: „Wenn ich dich nicht in mein Revier einlade, bleibst du gefälligst draußen.“

> Neues Territorium erobern: Der Chef erscheint früh im Konferenzraum, legt Laptop oder Timer oder Unterlagen ab, um sich den besten Platz zu sichern. Dann verschwindet er wieder, um andere wichtige Sachen (wie Kaffee holen, Toilettengang oder Plausch mit dem Segel-Kollegen) vor der Besprechung zu erledigen (um dann vielleicht sogar verspätet zurückzukommen). Aber der beste Platz im Meeting ist ihm sicher!

> Kolonialisierung: Der Schreibtisch wird „kolonialisiert“, indem persönliche Dinge, Fotos oder Dekoration darauf abgestellt werden. Wer in dieses Büro dann eindringt, betritt den semi-privaten Schutzraum des Chefs. Auch der Name an der Bürotür signalisiert: Mein Revier!

> Territorium Vergrößerung: Der dominante Chef will stetig sein Gehege vergrößern. Er strebt nach einem größeren Auto, größerem Büro oder zumindest nach größeren Fenstern. Zur Not tut es auch ein größerer Chefsessel.

> Fremde in ihr Revier zurückschicken: Versucht ein Mitarbeiter an den Chef etwas zu delegieren, wird der Chef in sehr schnell auf seinen Platz zurückverwiesen. „Das ist nicht mein Job!“ wird der Chef sagen. Oder „Jetzt gehen Sie mal ganz schnell wieder in Ihr Büro und machen das selbst“.

Revierspiele gehören zum Betriebs-Alltag. Überprüfen Sie einmal im Meeting, wer mehr Ellbogenplatz in Anspruch nimmt oder den größeren Anteil des Tischs belegt. Oder wie Menschen breitbeinig im Bus oder in engen Theaterstuhlreihen sitzen und sich so mehr Platz verschaffen. Auch Autos gehören zum Territorium: Sie werden kolonialisiert, z.B. mit Aufklebern (Lisa an Bord) oder einem Anhänger (Traumfänger) am Rückspiegel.

Beobachten Sie in Parkgaragen, wie manche Autos 1,5 Parkplätze belegen und der Besitzer so sein Parkrevier erweitert hat. Auch ein Loch in den Auspuff zu bohren, um dann lautstark röhrend durch die Stadt zu brausen signalisiert: Hier komme ich, das Möchtegern-Alphatier!

Welche Revierspielchen kennen Sie? Spielen Sie sogar selbst welche?

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