Die „Ich rück‘ dir auf die Pelle“-Kollegen

„Direkt neben uns! Ich meine, wie können die bloß auf einem menschenleeren Strand ihr Handtuch GENAU direkt neben unseres legen? Und sich mit ihrer Großfamilie dort ausbreiten und ihr Radio andrehen, wo wir doch unsere Ruhe haben wollten? Gibt es auf fünf Kilometern Strand nicht andere Ecken? Warum hier?“

Andere Völker, anderes Nähebedürfnis.

Das ist mir genau so in Israel passiert. Dort schätzen sie es eher, auf engem Raum zu agieren, als ich distanzbedürftige Deutsche. Aber nicht nur Kulturen haben ein unterschiedliches Bedürfnis nach Distanz und Nähe, auch einzelne Menschen im Team oder Chefs.

Bestimmt kennen Sie die „Auf die Pelle-Rücker“, die einem immer näher kommen, wenn sie mit einem reden, bis Sie selbst mit dem Rücken zu Wand stehen. Oder diejenigen, die einem etwas auf Ihrem PC-Bildschirm zeigen und dabei Körperkontakt halten und sich über Sie beugen – sodass Sie deren Atem spüren und den Schweiß riechen?

Brrrrrr. Üürgh!

Eigentlich basiert seit Urzeiten das menschliche Überleben auf einem funktionierenden Miteinander in der Gruppe: Nur gemeinsam konnten die Menschen früher ihre feindliche Umgebung meistern. Dieses Nähe- bzw. Gruppen-Bedürfnis haben manche Kollegen heute noch in hohem Maße.

Nähe-Typen können sich gut in neue Gruppen einfinden, denn sie sind anpassungsfähig und hilfsbereit. Durch ihre Teamorientierung stärken sie den Zusammenhalt, den sie aber gleichzeitig für sich auch brauchen. Sie sind herzlich, offen und mögen die Harmonie. Ihnen ist die Beziehung wichtiger als alles andere.

Wenn nur dieses ABER nicht wäre! Wenn sie nur nicht so dicht rankommen würden! Sich aufdrängen würden! Ganz nah sein möchten!

Ich muss Ihnen sagen: Abrücken oder zurückweichen bringt garantiert nichts. Irgendwann ist da die Stuhllehne oder die Bürowand. Und der „Auf die Pelle-Rücker“ versteht Ihr Zurückweichen auch gar nicht. Er rückt einfach nach.
Vielleicht ist er einfach nur kurzsichtig, wer weiß.

Was Sie tun können: Es aktiv ansprechen, und zwar rechtzeitig. Je länger Sie damit warten, umso genervter sind Sie. Sagen Sie also frühzeitig und unemotional, dass Sie einfach ein bisschen mehr Abstand bräuchten. Punkt. Keine Erklärung, keine Rechtfertigung, kein schlechtes Gewissen. Es ist Ihr gutes Recht, Ihre Individualdistanz einzufordern! Trauen Sie sich.

Wenn Sie wollen, können Sie auch noch beschwichtigend hinzufügen: „Es hat mit Ihnen nichts zu tun, aber ich brauche mehr Bewegungsspielraum. Könnten Sie einen Schritt zurückgehen?“ (Oder wie Patrick Swayze es in Dirty Dancing sagte: „Das ist mein Tanzbereich.“)

Keiner wird Ihnen das übel nehmen, wenn Sie das in der Ich-Form und nicht in der Du-Form („Du kommst immer so dicht ran, du bist zu nah.“) ansprechen! Ehrlich! Und schon haben Sie Ihren Bewegungsfreiraum wieder.
Rückt Ihnen auch immer wieder jemand auf die Pelle? Dann probieren Sie es beim nächsten Mal aus. Und sagen mir, ob es geklappt hat …

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