IMMER SCHÖN LOCKER BLEIBEN

Anabel Schroeder

Die Knie schlottern, die Zuhörer schauen Sie erwartungsvoll an und Gedanken schießen Ihnen durch den Kopf: „Was, wenn ich anfange zu stottern, was, wenn ich es versemmel, was, wenn die Technik versagt?“ Oder „Was, wenn man sieht, wie rot ich im Gesicht bin?“

Kurz: Nervosität droht von Ihnen Besitz zu ergreifen. Kein schönes Gefühl.

Da habe ich ein paar Tricks, die Ihnen helfen könnten:

1. Suchen Sie sich vorab jemanden aus dem Publikum, den Sie kennen und mögen und briefen Sie diese Person folgendermaßen: „Bitte lächle mich immer an und nicke anerkennungsvoll.“ Schauen Sie diese Person zu Beginn Ihres Vortrages an und holen Sie sich dort Sicherheit und Bestätigung ab. Durch das aufmunternde Nicken Ihres Kollegen oder Freundes erhalten Sie laufend das Feedback, dass alles in Ordnung ist. Ansonsten lassen Sie sich gesagt sein: Fast jeder ist nervös, auch der lockere Comedy-Held, der schon seit zehn Jahren auf der Bühne steht. Nervosität ist letztendlich Ihr bester Freund, denn Nervosität macht Sie wach und hoch konzentriert. Akzeptieren Sie, dass Sie die Nervosität vermutlich nie ganz loswerden!

2. Gewinnen Sie Sicherheit, indem Sie Ihren Einstieg immer identisch gestalten und für den Start Antworten auf folgende zwei Punkte liefere:

a) „Wer bin ich, wo komme ich her und was habe ich heute mit Ihnen vor?“ Das müssen Sie nicht erst lernen, denn Sie wissen ja, wer Sie sind und wo Sie herkommen – Sie befinden sich also noch auf sicherem Terrain, inhaltlich gesehen. Außerdem können Sie hier schon mal klarstellen, wie fachkompetent und erfahren Sie sind. Vorher üben sollten Sie diesen Einstieg allerdings schon, am besten ein paar Mal vor dem Spiegel, damit er „sitzt“.

b) „Weshalb sind wir heute hier?“ Diese Frage beinhaltet gleich vier Fragen: WESHALB sind wir heute hier, weshalb sind WIR heute hier, weshalb sind wir gerade HEUTE hier und weshalb sind wir heute HIER? Die Antwort auf diese Fragen hilft Ihnen, alle Zuhörer auf einen Wissenstand zu bringen. So haben Sie schon die ersten zwei bis zehn Minuten überbrückt und die Anfangsnervosität hat sich bestimmt schon zumindest etwas gelegt. Es macht Sie außerdem souveräner, weil Sie nicht gleich aufgeregt in Ihren Vortrag hinein poltern und die Zuhörer überfordern, sondern sich die Zeit nehmen, alle ins Boot zu holen.

3. Wenn es Ihnen schwer fällt, langsam zu reden, weil Sie so aufgeregt sind, dann nutzen Sie als Work-Around die Methode der „Nennung von Zwischentiteln“. Damit meine ich, dass Sie vor jedem neuen Punkt, den Sie ansprechen, diesem einen Zwischentitel geben. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Wenn Sie ein Beispiel bringen, dann sagen Sie vorher „Ich gebe Ihnen ein Beispiel“, um dann nach einer kurze Pause das Beispiel zu erläutern. Wozu ist das gut? (Auch das können Sie laut aussprechen: „Wozu ist das gut?“) Das hilft Ihren Zuhörern, eine Struktur zu erkennen, und verlangsamt Ihren Redefluss. So müssen Sie sich nicht zwingen, langsamer zu sprechen und trotzdem wird Ihr Vortrag für den Zuhörer leichter verständlich.

Sie kriegen jetzt noch einen kleinen Tipp von mir (auch das war wieder ein Zwischentitel!): Schreiben Sie sich die Zwischentitel auf Ihren Spickzettel und hangeln Sie sich an diesem Spickzettel entlang – und sprechen Sie diese Zwischentitel auf Ihrem Spicker laut aus! Das geht übrigens auch schon bei der Einleitung. Sagen Sie nicht hastig: „Ich bin Anabel Schröder, Coach, Seminarleiterin und Hochschuldozentin aus Hamburg und referiere heute über Nervosität bei Vorträgen“.

Stattdessen würden Sie sagen: „Wer bin ich? Mein Name ist Anabel Schröder. Ich bin Coach, Seminarleiterin und Hochschuldozentin. Wo komme ich her? Ich komme aus Hamburg, habe allerdings in Süddeutschland studiert und mein Abitur in Spanien absolviert. Was habe ich heute vor? Ich möchte, dass Sie Tipps und Tricks lernen, wie Sie Ihre Nervosität bei Vorträgen besiegen oder lindern“.

4. Stellen Sie Fragen ans Publikum. Keine rhetorischen Fragen, wie „Sie kennen doch bestimmt auch diese Situation?“ sondern offene Fragen (die mit W anfangen): „Welche Erfahrung haben Sie mit dieser Situation gemacht?“ und lassen Sie einige Teilnehmer antworten. Je mehr Ihr Publikum sich beteiligen darf, umso mehr ist es emotional und konzentriert dabei – und glücklich, weil es von Ihnen ernst genommen und „gehört“ wird.
Außerdem werden Sie selbst entspannter und weniger nervös, weil Sie merken, dass Ihr Publikum aktiv ist statt Sie passiv und erwartungsvoll anzustarren. Auch Ihre Angst vor Fragen aus dem Publikum lässt sich damit lindern: Wenn Ihnen eine schwierige Frage gestellt wird, auf die Sie erst einmal keine Antwort haben, retten Sie sich, indem Sie die Frage weiter an Ihre Zuhörer leiten „Wie sehen das die anderen?“ oder „Welche Ideen haben Sie?“. Derweil können Sie sich eine schlaue Antwort überlegen und haben so Zeit gewonnen – und wirken gleichzeitig souverän und Herr/Frau der Lage.

Wenn Sie sich bei Präsentationen gern sicherer fühlen oder an Beispielen üben möchten, dann kontaktieren Sie mich doch einfach. Ich biete Ihrer Firma gerne ein Seminar zu Auftritt und Wirkung an!

Viel Erfolg!

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