LAMPENFIEBER – WENN DER SÄBELZAHNTIGER ZUSCHLÄGT

Ihnen schlackern die Knie, weil Sie einen Vortrag halten müssen? Sie haben Schweißausbrüche, denn Sie sollen im Meeting etwas präsentieren? Sobald Sie vor einer Gruppe etwas sagen, werden Sie hochrot und stammeln Unsinn? Nun, Ihr Körper spielt Ihnen da einen Streich.

Ihre Situation ist: ACHTUNG! Ein Vortrag – ich könnte mich blamieren.

Ihr Körper versteht: ACHTUNG! Ein Säbelzahntiger – renn um dein Leben.

Bitte nehmen Sie Ihrem Körper das nicht übel. Seine Reaktion basiert auf Millionen Jahren genetisch überlieferter Erfahrung, während Ihr eigentliches Problem, gemessen an der Menschheitsgeschichte, ja recht neu ist. Was tut Ihr Körper also? Das, was den Menschen bisher erfolgreich das Überleben gesichert hat: Er schüttet Stresshormone aus, die den Muskeln Ihre volle Leistungsfähigkeit geben und Ihre Psychologie auf schnelle, schematische Reaktionen reduziert. Die komplexen Zusammenhänge Ihres Referates ruhig und sachlich vermitteln, können Sie damit leider nicht. Also brauchen Sie ein Workaround.

Hier sind zehn Tipps, wie Sie Ihrem Körper klar machen, dass Ihr Publikum kein Säbelzahntiger ist.
Bei der Vorbereitung:

1. Überlegen Sie sich, was schlimmstenfalls passieren kann

Wird Ihnen die Anerkennung entzogen, wenn Sie stottern, sich verhaspeln oder Falsches erzählen? Werden Sie abgemahnt? Steht Ihre Karriere auf dem Spiel? Meist sind die Konsequenzen gar nicht so schlimm, wie Sie sie sich ausmalen. Ganz im Gegenteil, die kleinen Fehler machen Sie menschlich, denn Ihre Zuhörer kochen auch nur mit Wasser!

2. Üben Sie den Einstieg mehrmals vorab
Je besser Sie den Einstieg beherrschen, umso schneller sinkt Ihre Anfangsnervosität. Schreiben Sie einen etwa zweiminütigen Einstieg vor und lernen Sie Ihn, bis Sie ihn auch im Schlaf herunterbeten können.

3. Halten Sie Smalltalk mit den Teilnehmern
Kommen Sie rechtzeitig in den Raum und plaudern Sie mit Ihren Zuhörern. So bauen Sie Nähe zu ihnen auf, die wiederum ein gewisses Wohlwollen bewirkt. Auch Ihnen selbst werden die Menschen, denen Sie gleich etwas erzählen wollen, vertrauter sein. Das reduziert Ihre Angst.

4. Bitten Sie vorab einen Kollegen, Ihnen zu helfen
Er soll Ihnen während Ihrer Präsentation immer wieder freundlich zunicken und lächeln. So merkwürdig das erstmal klingt, er signalisiert Ihnen damit: „Es läuft super!“ Obwohl Sie wissen, dass dieses Signal verabredet ist, wird es trotzdem eine unterbewusste Wirkung haben und Ihnen so Sicherheit geben.

5. Probieren Sie es mit der Technik nach C. Jacobsen
Kurz vorher ein paar Mal alle Muskeln anspannen und dann entspannen, nochmal anspannen und wieder entspannen. Das hilft Ihnen, wieder ein Gefühl für den eigenen Körper zu kriegen und die Entspannung bewusst schneller einzuleiten.

 

Während des Vortrags:

1. Stellen Sie beide Füße auf den Boden
Wenn Sie stehen, verlagern Sie Ihr Körpergewicht gleichmäßig auf beide Beine. Damit „erden“ Sie sich. Stehen Sie fest auf beiden Beinen, denn Sie haben einen Standpunkt zu vertreten! Konzentrieren Sie sich, direkt bevor Sie mit Ihrem Vortrag anfangen, einen Moment darauf, wie der Boden beschaffen ist. Atmen Sie tief durch und spüren Sie, wie Sie sich entspannen.

2. Erzählen Sie eine kurze Anekdote aus Ihrem Leben
Da es IHRE Geschichte ist, kann Ihnen da keiner reinreden oder Sie korrigieren. Damit senken Sie die Anfangsnervosität schnell. Gleichzeitig wirken Sie so persönlich und sympathisch auf Ihr Publikum.

3. Bewegen Sie sich im Raum
Bewegung reduziert die Stresshormone im Blut. Zeigen Sie aufs Flipchart oder auf die Leinwand und verwenden Sie große, weit ausholende Gesten. Gehen Sie langsam umher: vom Flipchart zum Stehpult, vom Laptop zum Publikum und zurück. Aber bitte wenden Sie dabei Ihrem Publikum nie den Rücken zu.

4. Sprechen Sie Ihre Nervosität offen an
Wenn es jeder weiß, müssen Sie die Nervosität nicht mehr verstecken. Das würde Ihnen ohnehin nicht gelingen, denn je mehr Sie versuchen, die Nervosität nicht zu zeigen, umso stärker wird sie. Da hilft nur Offenheit. Stehen Sie dazu, indem Sie sagen: „Ich bin ein wenig nervös“ oder „Vor vielen Menschen zu sprechen, liegt mir nicht so“.

5. Sehen Sie das Positive an der Nervosität
Nervosität macht Sie wach, konzentriert und spornt zu Höchstleistung an. Dazu sind diese Stresshormone ja schließlich gedacht. Wenn wir Menschen sie nicht hätten, wären wir schon lange ausgestorben. Wir hätten einfach nicht schnell genug vor dem Säbelzahntiger flüchten können.

 

Das Lampenfieber wird Sie auch in Zukunft heimsuchen. Das wird sich wohl erst ändern, wenn wir Menschen ein paar Millionen Jahre lang Vorträge gehalten haben, statt auf die Jagd zu gehen. Mit den oben genannten Methoden können Sie zumindest die Symptome lindern und Ihr Publikum auf Ihre Seite bringen. Selbst wenn Ihr Vortrag oder Ihre Präsentation dann nicht wie am Schnürchen läuft, kann sie trotzdem ein Erfolg werden. Und tatsächlich können sie so auch lernen, die Säbelzahntiger-Reaktion irgendwann so gut zu kontrollieren, dass Sie trotz Schweißausbruch völlig ruhig und beherrscht wirken. So machen es die vielen Schauspieler, Musiker, Profiredner und Lehrenden auch. Nur Mut also, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen!

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