Kopfkino kann jeder!

Anabel Schroeder

„Oh manno, so’n Vollhonk, nu gib schon Gas!“

Da fährt doch so eine klapprige, rote Schuhschachtel auf vier Rädern mit 30 km/h in der 50iger Zone und hält alle andere auf. Ich beiß gleich ins Lenkrad!

Ich bin vermutlich nicht die einzige, die sich manchmal über andere ärgert. Sie bestimmt auch. Zum Beispiel, wenn Sie durch die Fußgängerzone eilen und der Passant direkt vor Ihnen in den Himmel guckt und einfach abrupt stehenbleibt. Sie sagen „Doofnase“ und nur durch gutes Reaktionsvermögen vermeiden Sie den Zusammenprall.

Oder der Fahrradfahrer blökt Sie aus 100 Metern Entfernung an, dass der Radweg für Radfahrer da ist. „Hey, ich wollte doch nur die Mülltonne rausstellen“ … aber da war er schon weg.

Im Büro gibt es diese Ärgernisse auch. Der Kollege aus der Buchhaltung nennt Sie hinter Ihrem Rücken „Blondie“, weil Sie die T-Konten nicht so beherrschen wie er – „mies von ihm“, denken Sie. Oder der Chef rauscht durch den Raum ohne „guten Morgen“ zu sagen und ignoriert Sie komplett. Oder der Kunde redet sich in Rage über eine kleine Banalität und hinterlässt Sie sprachlos und mit Schnappatmung.

Alles Vollpfosten, bei denen Si gar nicht anders können, als sich zu ärgern?

Nein! Nicht, wenn Sie meine bewährte Kopfkino-Methode einschalten. Denn mit dieser Methode können Sie Ihr kreatives Potential ausschöpfen, Ihr eigener Autor werden, Geschichten erfinden und dabei ganz gelassen bleiben.

Wie das funktioniert?

Sie denken sich eine Geschichte aus, weshalb die Person so reagiert, wie sie reagiert. Was hat sie vielleicht dazu gebracht, sich wie ein „Vollpfosten“ zu verhalten? Was ist bei dem Menschen wohl in der Kindheit alles schief gegangen, dass er so ist, wie er ist? Was ist dem Fahrradfahrer Grausames passiert, dass er Angst vor Passanten auf dem Fahrradweg hat?

Mal ehrlich, Sie wissen ja meist sowieso nicht, warum die Person so reagiert. Vielleicht gibt es ja sogar einen wichtigen Grund. Und da Sie den nicht kennen, erfinden Sie ihn einfach. Das stimmt Sie nämlich milder!

Um dabei auch noch Spaß zu haben, seien Sie so kreativ wie möglich:
Die Frau im klapprigen Wagen transportiert vielleicht rohe Eier zum Markt, oder Sprengstoff, oder Eier gefüllt mit Sprengstoff.

Der abrupt stoppende Fußgänger ist ein Geisterseher und hat gerade Kontakt zu einer verlorenen Seele in der Fußgängerzone aufgenommen.

Sie könnten sich ausmalen, dass dem Fahrradfahrer als Kind bestimmt sein Förmchen in der Sandkiste geklaut wurde und er deshalb heute aus Frust jeden anmacht, der seinen Weg kreuzt.

Vielleicht ist der Kollege, der Sie als Blondie bezeichnet hat, ein verkappter Transvestit, der sich nie zum Coming-Out entschieden hat und am liebsten Stöckelschuhe und Büstenhalter tragen würde – und selbst gerne Blondie wäre.

Oder der Chef ist Vorstand im Kleingartenverein „Die Zwergenaufständler“. Dort hat es in der Nacht zuvor gebrannt und er rauscht durchs Büro, weil er gedanklich eine Liste macht, wen er alles informieren muss.

Und der aufgebrachte Kunde, der sich über eine Banalität aufregt, hatte heute Morgen einen Wasserrohrbruch und seine afrikanische Briefmarkensammlung steht nun unter Wasser – logisch, dass er seinen Frust abladen muss, oder?

Sie sehen: Je extremer die Geschichten, die Sie sich ausdenken, umso lustiger kann die Situation für Sie ganz persönlich werden.

Sie können sich auch zu zweit zusammentun und sich ulkige Geschichten gemeinsam überlegen. Humor macht gesund, Ärger nur krank. Trainieren Sie sich also ruhig ein humorvolles Kopfkino an, statt sich über andere Menschen aufzuregen. Passen Sie nur auf, dass Sie nicht zu viel kichern – sonst holen Sie die Männer in den weißen Kitteln noch ab!

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