GEWALTFREIE KOMMUNIKATION KANN ECHT SCHRÄG KLINGEN!

Kruse fiel in den Betonmischer, weil er vor Lachtränen nichts mehr sah.

Denn Müller und Kruse arbeiten auf dem Bau und Müller fragte Kruse: „Darf ich dir Feedback geben?“

Kruse kräuselte darauf verwirrt die Stirn, denn er war nur direkte Kommunikation gewohnt. Was er aber nicht wusste: Müller hatte letztens einen Kurs in gewaltfreier Kommunikation gemacht und wollte nun an Kruse die gewaltfreie Ich-Botschaft testen:

„Ich bin enttäuscht, dass der Beton von dir falsch angemischt wurde. Ich habe Sorge, dass dadurch die Steine nicht gut halten. Wie können wir es schaffen, dass du nächstes Mal richtig mischst und wenn du Hilfe brauchst, mich vorher fragst?“

Kruse bekam erst einen Lachkrampf, worauf Müller reagierte:
„Ich bin verunsichert, wie ich dein Lachen nun interpretieren soll“.
Da konnte Kruse sich kaum noch halten und kringelte sich vor Lachen.
„Ich benötige Klarheit, weshalb du lachst, sonst ist unsere Arbeitsbeziehung nachhaltig gestört“.
Bei diesen Worten fiel Kruse vor Lachen rückwärts in den Betonmischer.

Diese Szene müssen die Führungskräfte im Seminar vor Augen gehabt haben, als ich letztens für einen Kurs in wertschätzender Kommunikation gebucht wurde – bei einem Großhandel, der Handwerker ausstattet. Da geht es etwas gröber zu:
„Alter, bist du blind? Die Kabelschellen müssen ins Regal unten links!“
oder
„Hackt es? So kannst du nicht mit dem Kunden reden!“

Die Führungskräfte sollten lernen, wertschätzend und annehmbar ihren Mitarbeitern Feedbacks zu geben, so dass auch die Sensiblen nicht gleich verschreckt werden. Sie sollten lernen, Fehler und Kritik zeitnah und konstruktiv anzusprechen.
„Sensible Mitarbeiter hamma nicht!“ lautete der Widerstand in der Gruppe oder
„wat solln wir mit so ner Ponyhofkommunikation!“
und
„die anderen sollen sich an unsere direkte Art anpassen. Wer dat nicht kann, gehört nicht hierher!“

Wie sehen Sie das…. muss man lernen, sich auf die Sensiblen einzustellen?

Die einzige Frau im Seminar sagte dann: „Ich fänd’s toll, wenn die nicht so direkt und laut mit mir wären. Und ich weiß, dass manch ein Azubi oder manche Mitarbeiterin das auch nicht gut wegstecken. Die können nicht einfach mit euch danach ein Bier trinken gehen und „Schwamm darüber“ sagen.“ Da war Ruhe im Raum und betretenes Schweigen. „Und übrigens würden eure Frauen sich auch freuen, wenn ihr das könntet!“

Letztendlich haben wir einen Kompromiss geschlossen – die Führungskräfte lernten, dass sie ihren groben Feedbacks noch zwei Dinge anfügen sollten: Erstens den Grund, weshalb das Verhalten nicht in Ordnung ist:
„Alter, bist du blind? Die Kabelschellen müssen ins Regal unten links! SONST FINDET UNSER LAGERSYSTEM DIE NICHT MEHR“
oder
„Hackt es? So kannst du nicht mit dem Kunden reden! DER WIRD DOCH NIE WIEDER KOMMEN“.

Und zweitens eine klare Aufforderung, wie er es zukünftig besser machen kann: „Alter, bist du blind? Die Kabelschellen müssen ins Regal unten links! Sonst findet unser Lagersystem die nicht mehr. SCHAU IN DER LISTE NACH BEVOR DU ETWAS WEGRÄUMST“
oder
„Hackt es? So kannst du nicht mit dem Kunden reden! Der wird doch nie wieder kommen. WENN ER DICH ANMACHT, DANN BLEIBST DU FREUNDLICH“.

Merke:
Je mehr Sie erklären, desto wertschätzender klingt das. Und auch wenn Sie grobe Kommunikation anwenden, ist sie vom Anderen annehmbarer, wenn Sie erklären, weshalb Ihnen das wichtig ist.

Das ist zwar nicht die klassische Ich-Botschaft nach den Feedbackregeln, aber es kommt schon dicht dran und ist auf jeden Fall vom Mitarbeiter oder Kollegen eher annehmbar als die verletzende Du-Botschaft.

Viel Erfolg bei Ihrer Kommunikation wünscht
Anabel Schröder

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