VIER GUTE GRÜNDE, GESTRESST ZU SEIN

Ja, Sie haben richtig gelesen. Bleiben Sie auch in 2016 gestresst! Glauben Sie nicht diesen ganzen Möchtegern-Lebensberatern, Esoterik-Gurus und Friede-Freude-Eierkuchen-Coaches, die Ihnen einreden wollen, Sie könnten ohne Stress gut leben. Pflegen Sie ein gediegenes Stressniveau, denn der Stress ist wichtig für Sie. Hier sind vier gute Gründe, gestresst zu sein:

1. Stress ist eine hervorragende Ausrede
Zum Beispiel gegenüber Freunden: „Ich kann leider nicht mit zur Party kommen, die Präsentation muss fertig werden.“ Oder sich selbst gegenüber: „Ich würde ja gerne mal wieder Sport machen, aber ich einfach zu viel zu tun.“ Und auch gegenüber Ihrem Partner: „Ich kann leider nicht zu deinen Eltern zum Kaffee kommen, ich muss noch etwas für den Vorstand vorbereiten.“

Jaaa, liebe Schwiegermütter, Partner, Tanten und Onkels, die Arbeit ist eine ganz beliebte Ausrede. Und schlau! Derjenige, der sie verwendet, erscheint als fleißig und ehrgeizig, statt als uninteressiert und kontaktscheu. Der oben erwähnte Esoterik-Guru müsste wohl zugeben: Eine perfekte Transzendierung!

2. Mit hohem Stresslevel schaffen Sie mehr
Und das soll doch auch im neuen Jahr so bleiben, oder? Es wird nämlich unter anderem Adrenalin ausgeschüttet, dadurch sind Sie leistungsfähiger, schneller, konzentrierter. Sie fühlen sich beflügelt – ein irres Gefühl! Leider ist es von kurzer Dauer, denn irgendwann ebbt das Adrenalin ab und wandelt sich in Cortisol um. Aber dieser Kick, ah ja, seufz, den möchten Sie bestimmt auch 2016 wieder spüren!

3. Mit Stress können Sie angeben
Zum Beispiel im Büro: „Schau mal, ich hab mehr Überstunden als du“, bringt Sie im internen Bürowettbewerb nach vorne. „Boa, hab ich heute Stress gehabt“, worauf Ihr Büronachbar sagt: „Und ich habe 2016 neue Umsatzvorgaben bekommen, ich hab richtig Stress!“ und ein anderer Kollege antwortet: „Also bei uns fehlen zwei Leute, ich muss doppelt arbeiten, DAS ist Stress!“ Solche Dialoge sind prima, um das Gespräch so richtig in Gang zu halten! Mit stolzgeschwellter Brust und zufrieden, den Wettstreit „Wer hat den meisten Stress?“ gewonnen zu haben, können Sie auch 2016 wieder punkten!

4. Wer Stress hat wird mehr gelobt
Das war bestimmt schon so, als Sie noch ein Kind waren: Wenn Sie Ihre Hausaufgaben besonders schnell erledigten, sich diszipliniert unter Druck setzten, mehr taten als von der Mutter gefordert, durchhielten obwohl sie müde waren, oder anderen halfen obwohl sie keine Lust dazu hatten, dann wurde Sie dafür gelobt: „Klasse, dass du eine Eins in Mathe hast“ oder „Wie fleißig du lernst!“ oder „Das ist aber lieb, dass du das für mich tust!“

Dieses Lob in früher Kindheit führte dazu, dass Sie heute ohne Stress gar nicht mehr auskommen – aus Angst, Sie könnten die Anerkennung der anderen verlieren. Ein alter Glaubenssatz, der Sie heute noch antreibt.

2016 wollen Sie ja auch weiterhin gelobt werden. Verhalten Sie sich also am besten auch Ihrem Chef gegenüber so, wie Sie es schon gegenüber Ihrer Mutter getan haben. Überbieten Sie die Anforderungen. Schaffen Sie mehr, als gefordert – auch wenn dadurch das Arbeitspensum mörderisch ist. Das Lob Ihres Chefs wird Ihnen sicher sein.

Sie sehen, es ist viel besser, wenn Sie gestresst bleiben. Glauben Sie Ihrem Arzt nicht, der Ihnen weiß machen will, dass zu viel Stress ungesund ist – allein schon wegen des dauerhaft erhöhten Cortisolspiegels. Schlagen Sie die gut gemeinten Tipps in den Wind, mit denen Sie Freunde und Kollegen von der Arbeit abhalten wollen. Die sind nur neidisch, weil Sie nicht so viel gelobt werden, keine so guten Ausreden haben, nicht so angeben können und vor allem nicht so viel schaffen, wie Sie. Wenn Sie dann mit Ihrem Stress das Stadium des Burnouts erreicht haben, können Sie sich ja krank schreiben lassen.

Oder wissen Sie was? Ich habe eine noch viel bessere Idee: Warum nutzen Sie den Stress nicht als Rechtfertigung, um sich mal wieder klammheimlich und ohne schlechtes Gewissen für eine Stunde auf die Couch zu legen?

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