Wenn Ihnen das Gejammer zum Hals raushängt

„Ich muss dir erzählen, was mir Schreckliches passiert ist“, „Keiner mag mich“, „Mir ist nicht zu helfen“, „Ich kann das nicht“, „In der Firma hat man mich schon wieder …“

Wenn Sie elend lange von einem Kollegen oder einer Freundin als seelischer Mülleimer benutzt werden, so haben Sie es höchstwahrscheinlich mit einer typischen armen Wurst zu tun. Er oder sie ist ein stets klagender Zeitgenosse, der sich immer und überall schlecht behandelt und überfordert fühlt. Er möchte Ihr Mitleid haben, und damit Ihre Aufmerksamkeit – so kann er im Mittelpunkt stehen und von Ihnen umsorgt werden.

Meist jammert das sogenannte Opferlamm gar nicht über wirklich gravierenden Probleme, verwendet aber gerne Pauschalismen, um die Sachlage noch dramatischer zu gestalten. „KEIN Arzt kann mir helfen“, „ALLES tut so weh“ oder „NIE mache ich etwas richtig“. Außerdem werden die Probleme gerne mehrfach und immer wiederkehrend erzählt.

Achtung! Arme-Wurst-Typen rauben deshalb so viel Energie, weil sie keine Lösung WOLLEN – gäbe es nämlich eine Lösung, hätte die arme Wurst keinen Grund mehr, zu jammern.

Ich weiß, Sie möchten einer armen Wurst gerne auch mal weiterhelfen, haben Mitgefühl und wollen sie nicht im Stich lassen. Aber: Geben Sie diesem Opferlamm niemals gute Ratschläge! Warum? Meist wird jede Lösung mit einem „das habe ich schon ausprobiert“, „das funktioniert eh nicht“ oder ähnlichen Ausflüchten abgetan. Dadurch bleibt das Opfer im Zentrum der Aufmerksamkeit und des Mitleids. Sie ackern sich derweil einen Ast ab, um nach Lösungen zu suchen, während die arme Wurst entspannt auf den nächsten Vorschlag warten kann.

Sollte das Opfer einmal wirklich Ihren Rat annehmen und Ihr Vorschlag funktioniert dann nicht, sind übrigens Sie schuld. Ist ja klar.

Wie sollten Sie reagieren? Nein, nicht die arme Wurst grillen. Stellen Sie lieber eine offene Frage. Als aufmerksamer Blogfollower wissen Sie bereits, dass eine offene Frage häufig die beste Lösung ist. Das Opfer muss nämlich in die Selbstverantwortung zurück – und das schaffen Sie, indem Sie im ersten Schritt Verständnis für seine Situation aufbringen und im zweiten Schritt sagen: „Wie kann ich konkret helfen?“

Wenn es dann sagt: „Mir ist nicht zu helfen“ oder „ich weiß auch nicht“, dann bieten Sie ruhig zukünftige Hilfe an: „Wenn Du weißt, wie ich helfen kann, sag Bescheid“. So sind Sie kein Unmensch, bleiben hilfsbereit, aber geben nicht viel Energie in die Suche nach Lösungen, die die arme Wurst sowieso nicht ausprobieren würde!

Ich habe mal einer Freundin gesagt, dass ich ihr Klagelied über ihre verkorkste Beziehung nicht mehr hören will … wenn sie aber wisse, was sie als nächste tun wolle, würde ich gerne helfen. Es war hart für mich, so deutlich zu werden. Und sie hat dann auch ein Jahr nicht mehr mit mir gesprochen, weil sie sauer war, dass ich als Mülleimer nicht mehr zur Verfügung stand. Nach dem Jahr kam sie zurück und sagte mir, meine klaren Worte wären das Beste gewesen, was ihr hatte passieren können. Nur so kam sie aus ihrer Jammerlethargie heraus, hat Schluss gemacht und ihr Leben neu aufgebaut. Heute sind wir wieder befreundet.

Welches ist Ihr schlimmster „Arme Wurst“-Typ oder Opferlamm-Kollege?

Tags: Gejammer,

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Danke..für den prima Tipp! Die 2 klaren Sätze lerne ich jetzt auswendig!

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