DAS HAT MIT DEM ALTER NICHTS ZU TUN

Ich wette, Sie kennen das Märchen von LoL und dem Bandwurm noch nicht! Es geht so:

Es war einmal ein Brief vom Bandwurm…

„Gemäß § 62 Abs. 1 Nr. 1a des Gesetzes über Naturschutz und Landschaftspflege (Bundesnaturschutzgesetz [BNatSchG] vom 25. März 2002, veröffentlicht im Bundesgesetzblatt Nr. 22 v. 03.04.2002, S. 1193 ff.) erteilen wir Ihnen nachträglich die Befreiung, entgegen den Verboten des § 42 Abs. 1, Nr. 1 BNatSchG ein Nest von gemäß Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung vom 18. September 1989, zuletzt geändert durch Verordnung vom 14. Oktober 1999 (BGB I, S. 1955), besonders geschützten Hornissen abtöten zu lassen.“

Das Schreiben ging von der Stadtverwaltung an Herrn LoL. Seine Reaktion: Daumen nach unten.

Nun will ich nicht auf die Verwaltung schimpfen. Unterschiedliche Schreib- und Sprechweisen treffen tagtäglich aufeinander – darunter bandwurmfortsatzähnliche Dauersätze oder wortkarge LoL Abkürzungen. Aber hier beginnt dann das Unverständnis füreinander.

Schon bei der Stellensuche geht das los: Manch ein Bewerber pimpt seine Unterlagen mit langen Schachtelsätzen und schwülstiger Selbstbeweihräucherung auf, z.B.: „Dabei zeichnen mich meine Empathie und die Fähigkeit, vielfältige Perspektiven einzunehmen sowie mein organisiertes und strukturiertes Vorgehen in Planung, Konzeption und Durchführung von Projekten, sowohl als Einzelperson als auch im Team, aus.“ WTF?

Auch die Schreiben aus der Personalabteilung sind nicht immer verständlich. Oder wie erklären Sie sich solche Sätze? „Wir konnten einen großen Eingang von Bewerbungen auf die ausgeschriebene Stelle verzeichnen, sodass die Sichtung der Unterlagen etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen wird und wir uns dann wieder unaufgefordert bei Ihnen melden werden.“ ASAP, wahrscheinlich.

Ja, schon klar, was gemeint ist. Aber eine klare, knackige Formulierung würde sich doch viel leichter lesen, wäre eingängiger und würde viel sympathischer klingen. Und je genauer Sie sich ausdrücken, desto weniger Worte benötigen Sie. Nach dem Motto: KISS (Keep it simple and stupid).

Bei Gehaltsverhandlungen ist das besonders wichtig: Machen Sie Ihrem Chef im Gespräch unmissverständliche Statements. Lassen Sie den Bandwurm daheim und beantworten Sie klar und kurz die Fragen: Was habe ich dem Unternehmen gebracht? Weshalb steht mir eine Gehaltsverhandlung zu? Was erwarte ich? Was bin ich bereit als Gegenleistung zu geben? Verstecken Sie sich nicht hinter auswendig gelernten Formulierungen, die den Chef beschwichtigen sollen, oder hinter langen Schachtelsätzen, nur um sich langatmig zu rechtfertigen. Sonst versteht Sie Ihr Vorgesetzter vielleicht gar nicht. Artikulieren Sie wohl überlegt, aber sprechen Sie klar aus, was Sie wollen. Direkt und eindeutig, in einer Sprache, die jeder versteht. Sprechen Sie KuVg (Kind- und Vorstandsgerecht).

Und noch ein Tipp: Emoticons und SMS-Abkürzungen sollten bei geschäftlichen Mails auf ein Minimum reduziert werden. „JFYI: Bzgl. Ihrer Beanstandung: FTFY. War ganz leicht, hihi ;-). VG, as“. Da denkt doch Ihr Geschäftspartner irgendwann Sie hätten kA vom Business und wären NSFW (not suitable for work).

Oft wird das Problem zwischen LoL und dem Bandwurm als ein Generationenproblem abgetan. Doch das wage ich zu bezweifeln. Oder wie kommunizieren Sie bei Whats App, Facebook, Threema und Co.?

Also, vergessen Sie LoL und den Bandwurm. Kommunizieren Sie dem Anlass und Ihrem Gesprächs- oder Schreibpartner angemessen. Aber kommunizieren Sie klar und eindeutig – dann klappt’s auch mit der Gehaltserhöhung.
HTH (hope that helps), VG, as
PS: Falls Sie sich gefragt haben, was der Satz aus der Verwaltung eigentlich bedeutet: Sie dürfen das auf Ihrem Grundstück befindliche Hornissennest beseitigen und die Hornissen abtöten. Von den Verboten des § 42 Abs. 1 Nr. 1 Bundesnaturschutzgesetz sind Sie hiermit befreit.

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