BRUTALES DEUTSCHLAND – SCHLAGENDE ARGUMENTE

Ja, Sie haben richtig gelesen. Die Deutschen sind brutal. Zumindest was die Sprache betrifft. Oder wie sonst erklärt es sich, dass Sie eigentlich etwas Interessantes lesen wollen und dafür ein Buch aufSCHLAGEN? Oder zu jemandem eine nette Beziehung aufbauen wollen und zu diesem Menschen dann versuchen, eine Brücke zu SCHLAGEN? Oder Sie haben eine tolle Idee und wollen diese dann vorSCHLAGEN?

Oh ja, es geht noch brutaler: Ihren Kollegen überzeugen Sie mit SCHLAGENDEN Argumenten. Ihre Projektidee hatte durchSCHLAGenden Erfolg und wenn Sie zu lange im Meeting sitzen, SCHLÄGT Ihr Sakko hinten Falten und Wurzeln SCHLAGEN Sie auch. Dabei ist die Kantine doch nur einen FlügelSCHLAG entfernt.

Sind die Deutschen ein kriegerisches Volk? In so manchem Meeting hat es wirklich den Anschein. Da wird mit Worten gefochten, um Budgets gekämpft, Ideen verteidigt, Fragen ausgewichen, Strategien erarbeitet, Taktiken überlegt, anderen eines ausgewischt, Stärke gezeigt, Lunte gerochen und es bilden sich Konflikt-Fronten. Firmen führen feindliche Übernahmen und Preisschlachten durch. Und wer etwas im Schilde führt und dann SCHLAGfertiger argumentieren kann, hat sich durchgesetzt und den Kampf gewonnen.

Wenn Sie so kriegerisches Vokabular im Munde führen, verbreiten Sie gleich eine Bombenstimmung. Oder, wie der Germanist und Dozent für Ältere Deutsche Literatur, Wernfried Hofmeister, es formuliert: „Der gedankenlose Gebrauch von martialischen Redewendungen schafft letztlich eine gewisse Stimmung“.

Da sollten Sie sich gut überlegen, wo sie Stellung beziehen. Wer weiß, vielleicht hat Sie ja schon jemand ins Visier genommen. Passen Sie also gut auf, dass Ihnen im Eifer des Gefechts nicht die Munition ausgeht. Und wenn sie dann zum Angriff blasen und Ihren Kontrahenten dann mit geharnischten Worten attackieren, müssen Sie natürlich auch seine Finten parieren. Ja, so ein Wortgefecht kann ganz schön aufreibend sein. Machen Sie sich also nichts draus, wenn Sie irgendwann die Waffen strecken müssen. Wenn Sie eine Schlacht verloren haben, muss das ja nicht heißen, dass Sie den ganzen Krieg verlieren.

Noch mehr alltagssprachliches Kriegsgeheul hat Wernfried Hofmeister gesammelt und kommentiert – vom Spießrutenlauf über den Vorreiter bis hin zum Fadenkreuz. Da lohnt es sich nachzuSCHLAGEN.

Und ich SCHLAGE dieses Kapitel jetzt zu. Es reicht mit Krieg! #Paris, #Brüssel, #Syrien… die Welt da draußen ist brutal genug. Vielleicht finden Sie ja eine friedlichere Sprache – und schaffen damit mehr Harmonie?

Probieren Sie es aus!

Die spannende Lektüre von Wernfried Hofmeister finden Sie übrigens hier: http://wortschaetze.uni-graz.at/de/wortschaetze/wehrkultur/begriffsdatenbank/

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