Der Brüllaffe

Anabel Schroeder

„WIESO IST DIE PRÄSENTATION NICHT FERTIG!?!?!“
„WO IST MEIN KAFFEEBECHER?!?!?!“
„UND ÜBERHAUPT! WAS STEHEN SIE HIER SO HERUM!?!?!?“

Da zieht es Ihnen vermutlich auch den Magen zusammen, wenn Sie so etwas von Ihrem Chef oder Kollegen hören. Oder vielleicht werden Sie wütend, fühlen sich ungerecht behandelt oder stehen den Tränen nahe?

Herzlichen Glückwunsch! Sie haben es mit dem Typen „Täter“ zu tun, manchmal auch liebevoll „Brüllaffe“ genannt. Der attackiert gerne, macht andere klein, ist in Rage oder schnaubt vor Wut. Er beschuldigt, er greift an, er will gewinnen. Vor allem will er sehen, dass er größer, besser, stärker ist als Sie!

Das Schlimme daran ist: Mit normalen Argumenten kommen Sie gegen ihn nicht an. Der Täter redet nämlich gerne vage und in Pauschalismen: „Nie sind Sie rechtzeitig fertig“ oder „Schon wieder ist der Ordner nicht, wo er sein sollte.“ Das macht ihn nur schwer widerlegbar.

Und wie so viele nervige Kollegentypen ist auch er nicht wirklich an einer Lösung interessiert. Alles, was er will, ist Dampf ablassen und zeigen, wer „Herr im Haus ist“. Ein bisschen Selbstbestätigung kann er auch noch brauchen. Und am liebsten macht er sich groß, indem er Sie klein macht.

Warum der Brüllaffe so brüllt?
Traurig aber wahr: Er hat Angst vor Beziehungen und der damit verbundenen Enttäuschung. Durch seine schroffe Art versucht der Täter, sich andere vom Leib zu halten, seine Selbstbestimmung zu behalten und seine Freiheit nicht herzugeben. Eigentlich wünscht er sich im Grunde nur Anerkennung – leider wendet er die komplett falschen Mittel an.

Es gibt aber ein paar Tricks, wie Sie ihn wieder runterholen – und dadurch selbst die Oberhand gewinnen. Damit Sie sich nicht wie ich mit 18 Jahren mit einer Magenschleimhautentzündung im Krankenhaus wiederfinden, weil Sie Ihr Chef in cholerisch-wütenden Anfällen beschuldigt, Dinge falsch gemacht zu haben.

Damit es also nicht soweit kommt, sollten Sie sich folgendermaßen verhalten:

1. Verhalten Sie sich bloß nicht duckmäuserisch: Gerader Rücken, erhobenes Haupt, kräftige Stimme. Rechtfertigen Sie sich nicht oder sagen Dinge wie „ja, aber …“. Dadurch machen Sie sich nur unnötig klein. Das ist für Sie der Super-GAU und für den Schreihals das Gewinnerlos! Er fühlt sich dadurch nur bestätigt.

2. Versuchen Sie nicht, dem Täter mit Argumenten aufzuzeigen, dass er falsch liegt. Das macht ihn das nur noch wütender. Besser, Sie zeigen erst einmal Verständnis für seine Situation, das beruhigt ihn. Oder wiederholen Sie, wenn Sie partout kein Verständnis aufbringen wollen, den Inhalt einfach nochmal: „Aha, die Tasse ist also nicht da.“ Oder sagen Sie einfach „Natürlich“. Das nimmt ihm den Wind aus den Segeln.

3. Dann stellen Sie eine offene Frage, wie: „Was heißt das konkret?“ oder „Bis wann brauchen Sie das genau?“ oder „Was wollen Sie mir damit genau sagen?“ Alternativ geben Sie eine Lösung: „Ich zeige Ihnen einfach mal, wo Ihre Tasse steht“ oder „Gute Idee, ich mach dann mal Pause“ oder „Ich schicke Ihnen die Präsentation in genau drei Stunden“.

Wichtig!
Der Brüllaffentäter will Sie manchmal auch nur austesten, um zu sehen, wie stabil Sie sind und wie schnell Sie sich einschüchtern lassen. Und manchmal hat er leider auch einfach richtig Spaß daran zuzuschauen, wie Sie einknicken oder heulen.

Tun Sie ihm diesen Gefallen keinesfalls!

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