WAS TUN GEGEN TOXI?

Anabel Schroeder

„Mädel“ sagte mein Chef immer zu mir.

Ich weiß noch, als ich mit zarten 18 Jahren meinen ersten Job hatte und diese Bezeichnung total widerlich fand. Er hingegen fand das super und sagte dazu nur „Mädel, stell dich nicht so an“.

Aber es kam noch schlimmer: Er hatte für jeden, der nicht in sein Raster passte, einen herabwürdigende Bezeichnung parat: voller Ablehnung und in abfälliger Manier nannte er andere Weichei, Weib, Schlampe, Kanacke, Tusse, Zoni, Kuh, Zicke, Proll, Schwuchtel, Spasti, Buschaffe o.ä. und beschwerte sich laut über andere Kollegen. Das lenkte meine Kollegen und mich nicht nur von der Arbeit ab, sondern wir empfanden unseren Chef auch zunehmend als richtig abstoßend, verdrehten die Augen oder wurden im schlimmsten Fall sogar sauer.

Ihm ging es nach solchen Ausbrüchen besser. Uns nicht! Schließlich waren wir der Meinung, dass niemand – auch nicht der Chef – so mit Menschen umgehen sollte.

Nun will ich hier gar nicht die Moralische raushängen lassen und argumentieren, warum Beleidigungen und Beschimpfungen nicht gerade die feine englische Art sind.

Es geht mir vielmehr um Menschen, die die Atmosphäre vergiften und mit ihrem Ekel oder Vorurteilen für schlechte Stimmung sorgen. Solche kennen Sie bestimmt auch. Da haben Sie schon Magenschmerzen, weil Sie wissen, dass Sie diesen motzenden Typen auch die nächsten Monate oder Jahre als Kollege/Kollegin ertragen müssen – und allein der Gedanke bringt Sie dazu, die Stellenanzeigen durchzuwühlen. „Nur weg!“, denken Sie sich.

Solche destruktive Menschen im Team nenne ich „toxische Kollegen“. Sie vergiften das Klima im Team so sehr, dass selbst gute Mitarbeiter die Flucht ergreifen und kündigen. So jedenfalls eine Studie aus den USA. Wenn auf 20 harmlose, gute Mitarbeiter nur ein toxischer kommt, erhöht sich die Kündigungswahrscheinlichkeit der guten Mitarbeiter um sagenhafte 54%! Lassen Sie sich das einmal auf der Zunge zergehen: Fünfundvierzig Prozent! Das ist doch wahnsinnig schade.

Statt zu kündigen oder mit Magenkrämpfen in die Firma zu gehen, können Sie aber auch in Aktion treten! Und dazu habe ich einige Tipps:

– Warten Sie nicht zu lange. Sonst fressen Sie Ihren Unmut nur in sich hinein! Merke: Nicht Sie sollen leiden!

– Sprechen Sie mit der Person über dessen Verhalten, und zwar deutlich und nicht durch die Blume. Aber nur einmal. Denn vermutlich werden Sie es trotz aller Bemühungen nicht schaffen, ihn zu ändern.

– Machen Sie deutlich, dass diskriminierende Worte bei Ihnen keinen Platz haben und Sie diese auch nicht hören möchten. Erklären Sie, dass das benutzte Wort oder der Satz einen rassistischen, diskriminierenden Hintergrund hat und von den Betroffenen als beleidigend oder abwertend empfunden werden könnte.

– Grenzen Sie sich stets klar vom toxischen Kollegen ab. Das ist nicht unhöflich, das ist Selbstschutz! Versuchen Sie nicht, ihn zu einem besseren Menschen zu machen. Er zieht Sie sonst noch mit in die Tiefe! Sagen Sie klar und deutlich, dass Sie das nicht hören wollen! Aber fangen Sie bloß nicht an, mit ihm zu diskutieren.

– Sollten das Gemotze oder die abfälligen Bezeichnungen nicht aufhören, informieren Sie dann den Chef. Chefs haben eine Fürsorgepflicht und, glauben Sie mir, es hat wenig mit Petzen zu tun, wenn Sie das melden. Wenn der Teamfriede nämlich ernsthaft in Gefahr ist, wird auch Ihr Vorgesetzter ein Interesse daran haben, etwas zu verändern.

– Hat Ihr Chef nicht den Mut, etwas zu tun, ist als nächstes der Betriebsrat dran.

– Und zu guter letzt: Bleiben Sie cool. Je mehr Sie sich aufregen, umso mehr freut sich der Toxi, dass er bei Ihnen einen Nerv getroffen hat!

Viel Erfolg!

PS: Sie haben einen toxischen Kollegen? Da kann ich weiterhelfen. Schreiben Sie mir doch eine Mail: anabel-schroeder.de/kontakt

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